Visceral - @ myblog.de


UMZUGSNACHWORT

Meine Lieben,

3 Monate nach dem Blogwechsel logge ich mich also heute hier ein und stelle fest, dass es immer noch eine gute Anzahl von Leuten gibt, die sich immer noch täglich hierher verirren -
das ist doch echt verrückt :D

Da ich mittlerweile festgestellt habe, dass wordpress einen um einiges besseren Spamschutz hat als myblog, gibt´s jetzt für den letzten verirrten Rest eben auch noch öffentlich die neue Adresse:

http://ferventcore.wordpress.com/

Bitte wechselt! Ich habe das Gefühl, dass es hier Leute gibt, die seit 3 Monaten auf etwas neues warten, das tut einem ja im Herzen weh!

Liebe Grüße!
24.9.14 20:19


UMZUG

Aloha liebe Leser, aufgrund von zuletzt technischen Problemen habe ich jetzt endgültig beschlossen, den Bloganbieter zu wechseln und ein neues Blog einzurichten. Wer die neue Webadresse haben möchte, soll mir bitte zum Schutz vor ein paar bestimmten unerwünschten Besuchern eine private Nachricht schreiben. Danke an die vielen Leser der letzten Jahre! Ich hätte nicht gedacht, dass mein Geschreibsel so viele Leute interessieren würde und dass es so viele gibt, die so lange und treu dabeigeblieben sind. Ich freue mich über jeden, der mit mir auf die neue Seite wechselt! Gute Nacht und liebe Grüße, Jules
24.7.14 02:59


MEDITATION



Wir liegen dem nassen Wetter wegen nebeneinander auf einer Picknickdecke unter einer Halfpipe. Große, weiße Pollen schweben in der Windstille langsam durch die Luft, die nasse Wiese leuchtet in der untergehenden Sonne in einem tiefdunklen Grün, und die Silhouetten der Bäume setzten sich gegen den rötlichen Ton des Himmels immer dunkler ab.
Um uns herum stehen und liegen Becher, Flaschen, Pullis und Jacken, die als Decken und Kissen herhalten, und irgendwo dazwischen Cors´ winzige Boxen, die für ihre Größe einen erstaunlich sauberen Klang hervorbringen.
Wir rauchen im Liegen, hören Musik und verteidigen uns gegen die eigentlich erträgliche, aber auf Dauer doch spürbare Kälte des Abends, während wir leise Gespräche führen, als würden wir die Stille um uns herum stören, wenn wir zu laut wären.
Mit zunehmender Dunkelheit weicht der Rap ruhiger, elektronischer Musik, die mich mit ihrem fließenden, pulsierenden Klang irgendwann endgültig der friedlichen Atmosphäre verfallen und bis auf unsere kleine Insel in der Dunkelheit alles vergessen lässt.
Ich frage mich, wie wir diese Vertrautheit jemals verlieren konnten.
Als ich realisiere, dass ich seit einer ganzen Zeit fasziniert und fast weggetreten in das kleine blaue Licht der Boxen gestarrt habe, Cors´ Wärme hinter mir, ist es fast vollständig dunkel geworden. Nur ein leichter, blauer Schimmer malt verschwommene Formen um uns herum.
Seine Fingerkuppen streichen fast ohne Berührung über meine Hand, wir schweigen einträchtig. Ich atme die kühle, klare, feuchte Luft tief ein, ohne zu frieren.
So muss sich Meditation anfühlen.
30.11.-1 00:00


ELEMENTAR






FR - Sonne schneit





Wir sitzen nebeneinander auf dem Balkon, er raucht, und lassen uns die Sonne aufs Gesicht scheinen, die man seit Wochen so selten mal für ein paar Minuten zu sehen bekommt.
Ich schweige, weil ich ihn kenne; er hasst überflüssiges Gerede wie die Pest, wenn Leute meinen, Smalltalk betreiben zu müssen, weil sie die Stille nicht aushalten.

"Jules, was ist los?", fragt er.
Ich lächele. Entgegen meiner Erwartung bin ich weder überrascht, dass er redet, noch, dass er gemerkt hat, dass ich nachdenklich war vorher; denn wenn ich darüber nachdenke, ist er überraschend sensibel, wenn es um mich geht.
"Du wirkst so nachdenklich."
"Erinnerst du dich an deinen Vorschlag letztes Wochenende, irgendwann im Sommer einen Wohnwagen zu mieten und ein paar Tage herumzureisen? Irgendwohin zu fahren, völlig egal wohin; vielleicht ans Meer, an die Küste.
Der Gedanke erfüllt mich mit Wärme. Etwas Ähnliches wäre nicht das erste Mal, und ich weiß genau, wie das ablaufen würde; Wir würden endlos wandern, viel laufen, baden gehen an menschenleeren Stränden, abends auf den Klippen sitzen und rauchen, uns den Sonnenuntergang anschauen. Wir würden irgendwo Wein kaufen, trinken und lachen. Wir würden Feuer machen, wir würden alles machen; diese Leute in Kombination sind genau dafür wie geschaffen.
Wir würden uns ein paar Tage lang eine eigene Welt zusammenbasteln, rau und elementar, unverfälscht, geerdet.
"Natürlich erinnere ich mich." Er lächelt, auch ihm scheint der Gedanke nach wie vor zu gefallen. Er weiß, was ich meine; er weiß, dass es genau so ablaufen würde.

Ich überlege, ob ich ihn auf etwas anderes ansprechen soll - ein Gedanke, der mir plötzlich kam beim Betrachten eines alten Bildes - , dass ich das Gefühl habe, mein Freund hätte sich verändert, und dass ich mich unter anderem in Eigenschaften verliebt habe, die bereits bei unserem Kennenlernen sehr weit bei ihm zurückgegangen waren. Das hatte kaum einen Einfluss auf die Zuneigung, weil es so langsam ging und von Anfang an nur noch schattenhaft an ihm auszumachen war, aber im Nachhinein war es mir irgendwie wieder aufgefallen.
Ich wollte ihn das sowieso fragen, weil er ihn schon so lange kennt; aber ich finde, dass das nicht der richtige Moment ist.

Ohne meinen Freund erwähnt zu haben, scheint er erahnt zu haben, an was ich denke, denn er zieht ein letztes Mal an seiner Zigarette, der Tabak knistert, dann drückt er den Stummel in einem kleinen Ton-Blumentopf aus, der irgendwann zum Aschenbecher umfunktioniert wurde.
"Sagt er dir manchmal, wie schön du bist?", fragt er auf einmal, völlig aus dem Kontext gerissen.
Ich schaue ihn an, suche in seinem Blick nach einem Anzeichen von Zynik, wie er früher besonders und auch heute noch manchmal Gespräche mit solchen scheinbar sinnlosen Bemerkungen beendet, um zu zeigen, dass ihm das keinen Millimeter unter die Haut geht; aber er scheint das ernst zu meinen, auch wenn er den Blick recht schnell wieder senkt.
"Also ich meine, ob er begreift... was er hat?"
Ich lache, aber nicht über seinen Versuch, sich auszudrücken, sondern liebevoll über seine Sensibilität.
"Er sagt es oft, ja.", antworte ich. Was für eine Frage. Ich bin fasziniert von der Tiefe ihrer Bedeutung, und merke gleichzeitig, dass ich sie nicht beantworten will - und kann.
"Man erfasst sich selbst nie so, wie es andere tun.", murmele ich.
Mir schießt durch den Kopf, dass mein Freund mich definitiv anders begreift als ich selbst, und dann höre ich mich sagen:
"Ich glaube, du begreifst dich nicht in deiner vollen Dimension. Oder du willst nicht, dass es andere tun."
Er schaut mir in die Augen, kurz, aber intensiv - ein Moment, der mir klar macht, wie selten wir uns eigentlich wirklich anschauen - und auf einmal wird uns die gegenseitige Wertschätzung in beiden Aussagen bewusst, trotz der vielen Ironie und der schiefen Kommentare, die, wahrscheinlich aus Unsicherheit, früher häufig und auch heute noch immer wieder aufgekommen sind.
Wir sollten alle zusammen wegfahren, an die Küste.
12.2.14 00:27


GOLDEN WELCOME





TSYN Deep House


Sonnengeflutet wache ich auf, mein milchig-weißer Vorhang leuchtet, golden glänzen die freien Streifen dazwischen.
Ich seufze zufrieden und blinzele ins Licht, fahre mit den Fingern über den weichen, warmen Stoff, genieße den Geruch frisch gewaschener Bettwäsche. Ich räkele ich mich friedlich in dem exklusiven Luxus, das erste Mal seit zwei Wochen in meinem eigenen Bett ausschlafen zu können.
Erinnerungen der letzten zwei Tage kommen auf, unwillkürlich muss ich lächeln. Als ich die dicke Bettdecke ein Stück zur Seite schiebe, um nach meinem Handy zu greifen, spüre ich den Muskelkater von gestern immer noch lähmend in den Schultern, nach wie vor ohne eine Ahnung, woher er eigentlich kommt, und auch der leichte Kater, der sich seit Samstagmorgen durch mein Wochenende gezogen hat, hat mich noch nicht verlassen -
aber nichts davon kann meine Laune trüben.

Bilder ziehen vor meinem inneren Kopf vorbei, einzelne Äußerungen und Gespräche, Momente, einträchtige Gemeinsamkeit.
Eine Nachricht meines Freundes, die mich auf meinem Handy erwartet, erinnert mich schließlich doch an den einzigen Konflikt der letzten zwei Tage, und belegt meine verträumte Stimmung dann doch mit einem Hauch von nachdenklichem Schuldbewusstsein, aber auch einem beharrlichen Gefühl von Ärger.
Er ist wegen seiner Klausuren zum Semesterende dieses Wochenende nicht gekommen und hat mir das die letzten drei Tage nicht boshaft, aber in einem Ton, aus dem ich unterschwellige Vorwürfe herausgelesen habe, immer wieder unter die Nase gerieben. Als wären seine Klausuren meine Schuld; mein eigenes Abitur steht an.
Ich war das ganze Wochenende unterwegs, und er weiß das.
Zwischendrin kamen ständig Nachrichten, wie sehr er mich vermisse, dass ihm langweilig sei und er nicht mehr alleine schlafen wolle und könnte.
Das Problem war - während er scheinbar eines der langweiligsten, trübseligsten Wochenenden seit langem hatte, hatte ich eines der schönsten.

Die Sache ist die; Egal, wie oft Johannes das infrage stellt, es macht verdammt nochmal einen Unterschied, ob man mit seinem Freund unterwegs ist oder nicht, wenn man mit Freunden herumhängt, die er zum Zeitpunkt des Beziehungsbeginns weitaus besser kannte als man selbst.
Wer weiß, wie die Dinge gelaufen wären, wäre diese Beziehung nicht oder zumindest später zustande gekommen.
Ich will nicht als seine Freundin "akzeptiert" werden - ich habe diese Leute so sehr ins Herz geschlossen, und ich möchte genauso wegen meinem eigenen Charakter gemocht werden.

Und dieses Wochenende war nach allem, was wir schon zusammen erlebt haben, der endgültige Beweis dafür, dass das der Fall ist.
Das Traurige ist - diese Leute passen genau in das Schema meines liebsten Freundeskreises, und solche sind selten zu finden. Allein am Freitagabend fielen genug Kommentare, die zeigen, dass ich problemlos ein Teil davon geworden wäre beziehungsweise längst bin, solange mein Freund nicht dabei ist, ich wusste immer, dass ich da hineinpasse, das macht die Erfahrung - aber sobald er wieder da ist, wird er irgendwie wieder dazwischen stehen, vielleicht immer.
Es ist einfach so anders.

Ich denke an Marine, der gewissermaßen seine Rolle übernommen hat, auf mich "aufzupassen" - Marine ist ein wandelndes Rätsel für mich, welches sich ebenfalls ausschließlich in Abwesenheit meines Freundes im Laufe der Zeit immer wieder stückweise ein bisschen geöffnet hat. So viel der letzten zwei Tage geht mir nicht aus dem Kopf.
Ich greife nach meinem Macbook und suche mit ein paar Liedzeilen, die mir im Kopf geblieben sind, den Song, den er gestern Nacht während der Rückfahrt laufen ließ, als er mich heim gefahren hat. Es überrascht mich nicht, dass er von F.R. stammt, im Grunde habe ich die Stimme sofort erkannt.
Achja. Was wäre aus uns allen geworden, würde es meine Beziehung nicht geben? Es ist ein Gedanke, der mich nicht loslässt, aber der sich auch unermüdlich im Kreis dreht und jeglichen mögliche Lösungsansatz immer mehr verschwimmen lässt, je mehr ich darüber nachdenke.
9.2.14 12:17


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